Lexikon der arabischen & levantinischen Küche
Anis (Yansoon): Das süß-würzige Gewürz für orientalisches Gebäck und Tee
Anis (arabisch Yansoon) liefert kleine, graugrüne Samen mit einem mild-süßen, lakritzartigen Duft. In der levantinischen und ägyptischen Küche sind ganze und gemahlene Anissamen unverzichtbar für Eid-Gebäck (Kaak), knusprige Anisfladen und wärmenden Anistee, während ganzer Sternanis Schmorgerichte und Reis verfeinert.
Grüner Anis und Sternanis im Vergleich
Obwohl beide durch das ätherische Öl Anethol ähnlich süß-würzig duften, stammen sie von völlig verschiedenen Pflanzen. Klassischer Anis (Pimpinella anisum) aus dem östlichen Mittelmeerraum bildet feine, tropfenförmige Körnchen, die im Ganzen oder frisch gemahlen in Brot- und Kuchenteige sowie in Kräutertees wandern. Sternanis (Illicium verum) besteht hingegen aus verholzten, sternförmigen Fruchtkapseln; sein Aroma ist noch kräftiger und leicht pfeffrig, weshalb man meist einen einzelnen ganzen Stern in Brühen, Schmorgerichten, Biryani-Reis oder Winterpunsch mitziehen lässt.
Der Duft von Kaak, Maamoul und Meghli
In Syrien, Palästina, Jordanien und dem Libanon prägt Anis den Geschmack vieler traditioneller Backwaren. Zusammen mit Fenchelsamen, Mahlab, Sesam und Schwarzkümmel würzt er die mürben Olivenöl-Grießringe (Kaak bi Ajwa) zum Zuckerfest sowie knuspriges Anisgebäck (Qaras Yansoon) und zweimal gebackenen Zwieback (Shabora) zum Eintunken in schwarzen Tee. Auch der gewürzte Reispudding Meghli, der im Libanon und in Syrien zur Geburt eines Kindes mit Nüssen serviert wird, verdankt seine dunkle Würze gemahlenem Anis, Kümmel und Zimt.
Anistee am Abend
Als milder, koffeinfreier Aufguss ist Yansoon in jedem arabischen Haushalt zu Hause – entweder lose aus ganzen Anissamen oder im Teebeutel, oft kombiniert mit Kamillenblüten. Damit die flüchtigen ätherischen Öle nicht mit dem Wasserdampf entweichen, übergießt man die Samen mit kochendem Wasser und lässt den Tee fünf bis acht Minuten zugedeckt ziehen.







